Ein Boykott ist die organisierte Verweigerung, von einer geächteten Person, Institution oder Nation etwas zu kaufen, zu importieren oder ein anderes Geschäft zu tätigen; oder die Weigerung, an gewissen politischen Vorgängen teilzunehmen. Insofern ist ein Boykott eine ökonomische oder politische Waffe.

Das Wort Boykott (boykottieren) geht auf Kapitän Charles Cunningham Boycott zurück, einen englischen Grundstücksverwalter in Irland, der einem durch die irische Landliga 1880 organisierten Boykott unterlag.

aus: Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Boykott

Boykott

In Palaestina-heute.de sehen wir ein Foto einer Gruppe von orientalisch gekleideten Menschen mit einem Schild „Boykott Israel Goods“. Dies hat Anstoß erregt. Ein guter Freund schrieb, er werde an Nazipropaganda „Kauft nicht bei Juden“ erinnert.
Ja, dieser Gefahr waren wir uns bewusst, als wir das Foto so zentral plazierten. Genau diese Diskussion wollten wir provozieren!

Also:

  1. Wir halten in unsrem Konsumland Käuferboykott gegen Waren eines bestimmten Herstellers, einer bestimmten Region, einer bestimmten Herkunft für eines der wenigen wirksamen Mittel, Überzeugungen auszudrücken, die wir Konsumenten haben.
  2. Wir praktizieren aus verschiedenen Gründen solche Kaufverzichte täglich: wir vermeiden es, in Berlin Milch zu kaufen, die in Bayern erzeugt wurde – nicht weil wir irgendeinen Vorbehalt gegen Bayern oder auch gegen bayerische Milch hätten, sondern weil wir meinen, unser Kaufverhalten kann den Irrsinn, Produkte über weite Entfernungen zu transportieren, mildern.
  3. Kaufverzichte aus politischen Gründen können Wirkung zeigen: herausragendes Beispiel der internationale Boykott südafrikanischer Waren während der Apartheid-Zeit. 
    Wir geben uns keinen Illusionen hin, durch Kaufverzichte schnell politische Wirkungen erzielen zu können. Doch vielleicht gelingt es ja, aus einzelnen Handlungen einen Handlungstrom zu machen – im Falle Südafrika gelang dies.
  4. Einzelaktionen können Wirkung zeigen: die Israel-Wochen August/September 2007 in der Galeria Kaufhof haben Proteste ausgelöst, weil dabei auch Waren angepriesen und vertrieben wurden, die aus den besetzten Gebieten stammten. Die Presse berichtete über die Proteste einer kleinen Schar von Menschen.
    Unser Brief an den Vorstandsvorsitzenden der Kaufhof AG wurde sehr freundlich beantwortet und es wurde uns angekündigt, dass die Kaufhof AG in Zukunft vorsichtiger sein würde, um nicht durch ihr Verhalten politisch Position zu beziehen. Das sehen wir schon als Erfolg an!
    Kritisiert hatten wir nicht nur, dass Waren angeboten wurden, die aus den besetzten Gebieten, zum Teil aus dem völkerrechtswidrig annektierten Golan, stammten, kritisiert haben wir auch, dass das zugehörige Werbematerial Israelkarten zeigte, bei denen nicht nur der Golan sondern auch das gesamte Westjordanland annektiert und zu einem Teil Israels geworden waren.
  5. Der Hinweis auf eine der dunkelsten Epochen deutscher Geschichte ist Teil der Argumentationsketten, die jegliche Kritik an Israels gegenwärtiger Aggressions- und Besatzungspolitik zum Verstummen bringen will. Die Aufforderung, beim Einkauf darauf zu achten, dass gekaufte Waren nicht aus den besetzten Gebieten stammen aber als israelische Güter getarnt werden (und damit Handelspräferenzen zu erhalten), die Aufforderung, sich also nicht als Hehler an einer solchen Betrugsaktion zu beteiligen, hat nichts, aber auch gar nichts zu tun mit den widerlichen, gewalttätigen Hetz- und schließlich Mordaktionen Deutscher. Und uns die Kritik verbieten zu wollen, weil wir als Deutsche für die Verbrechen der Generation unserer Vorfahren haften sollen, das lassen wir nicht zu. Wir lassen uns nicht für die Holocaust-Industrie instrumentalisieren!

Kritik muss nicht nur erlaubt sein, sie ist auch geboten. Jeder, der um die Situation weiß und nicht kritisiert und nicht im Rahmen seiner Möglichkeiten handelt, macht sich eben so mitschuldig, wie jene unserer Vorfahren, die zusahen und schwiegen, als die braunen Banden ihre jüdischen Mitbürger terrorisierten, enteigneten, vertrieben und schließlich vernichteten. 

Und eine der simpelsten Handlungsweisen ist in unserem gut organisierten Staatswesen der Blick auf die Herkunftsbezeichnung beim Einkauf. Und der kleine Schritt, bei Waren, die als israelisch gekennzeichnet sind, die kritische Frage zu stellen, ob sicher sei, dass diese Waren nicht illegal aus den besetzten Gebieten stammten, muss dann auch noch sein. Es gibt Warenlisten, die die schwarzen Schafe unter den israelischen Herstellern aufführen, also die, bei deren Waren zumindest nicht sichergestellt ist, dass sie nicht aus Produktion in den besetzten Gebieten stammen.

Wen Sie das fragen sollen? Zunächst die Verkäuferin im Supermarkt, den Bio-Bauern auf dem Wochenmarkt (bei dem dazugekaufte Waren in Kisten mit der Aufschrift CARMEL liegen…). Die Verkäuferin wird fragen, warum Sie das wissen wollen, und sie wird Sie an den Filialleiter verweisen. Interessante Gespräche sind garantiert. Versuchen Sie es – Sie werden erstaunen, wie viel Sympathie Ihnen entgegengebracht wird.

Also: Kauft bei allen! Aber kauft nicht, was widerrechtlich erzeugt und in die EU verbracht worden ist.

Boykott – wie?

  • Kein Kauf von Waren aus den besetzten Gebieten, wenn sie als „israelische Waren“ deklariert sind
    Solange Israel sich weigert, klare Kennzeichnungen von Waren aus den besetzten Gebieten vorzunehmen, werden wir jedenfalls im Zweifel keine Waren mit unklarer Herkunft aus Israel kaufen!
    Über diese „alltägliche“ Boykotthandlungen hinaus, sollten wir weiter bei unseren Politikern, aber auch bei den großen Handelsketten darauf dringen, dass die einschlägigen EU-Bestimmungen eingehalten werden.
  • Keine Unterstützung für die israelischen Militär-Maschinerie. Hier können wir als Einzelne zwar nicht direkt tätig werden, wir können aber unsere Politiker immer wieder hinweisen auf ihre Verantwortung:
    * keine Waffenexporte nach Israel – die einschlägigen Gesetze, die Waffenlieferungen in Spannungsgebiete untersagen, müssen einfach ernst genommen werden!
    * keine Waffenkäufe oder Kauf von waffentechnisch nutzbarer Technologie in Israel
    * keine Zusammenarbeit in rüstungsrelvanten Bereichen mit Israel – dies ist besonders schwer abzugrenzen (ich weiß aus eigener beruflicher Erfahrung, wie unklar die Grenzen zwischen „friedlicher“ und „militärischer“ Technik sind), doch hier sollte das Motto sein: im Zweifel keine Zusammenarbeit oder Zulieferung!
  • Einen umfassenden Boykott wissenschaftlicher Kontakte, wie ihn britische Wissenschaftsorganisationen vorgeschlagen und teilweise auch umgesetzt haben, finden wir nicht angemessen. Wohl aber meinen wir, die Mühsal muss auf uns genommen werden, einzelne israelische Wissenschaftler, dann wenn sie zu wissenschaftlichen Kongressen hier sind, auch auf die politische Lage in ihrem Land und in den von Israel besetzten Gebieten anzusprechen. Solche, die die Besatzung unterstützen (auch durch Stillschweigen!) sollten hingegen boykottiert werden!!

Boykott – wo nicht?

Keine Kontaktverweigerung! 

  • Reist nach Israel, aber möglichst auch in die besetzten Gebiete.
  • Sprecht dort (und auch hier) mit so vielen Menschen wie möglich über die Situation. Helft so den viel zu wenigen, zu isolierten, oft verzweifelten Menschen, die sich in Israel für den Frieden engagieren, indem ihr die Kritikwürdigkeit der gegenwärtigen israelischen Politik ansprecht.

Keine Verweigerung von Handel

  • wenn sichergestellt ist, dass die aus Israel importierten Güter tatsächlich aus Israel kommen und nicht aus verdeckten „Kolonial“-Quellen.

Keine Verweigerung kultureller Beziehungen

  • Im Gegenteil: alle Kulturschaffenden sollten dem Beispiel von Barenboim nacheifern und Kontakte nach Israel und auch in die besetzten Gebiete suchen.

Und vor allem: kein Gesprächsboykott gegenüber jüdischen Menschen, sei es in Israel oder in der Diaspora. Jede Aktion, auch jede private Boykottaktion, muss von Gesprächen begleitet werden, Gesprächen mit den hier bei uns lebenden Palästinensern, die ihre Verzweiflung verdrängen, Gesprächen mit den hier lebenden Israelis, die ihre Ängste vor Vernichtung in sich tragen und diese weiter geschürt bekommen durch verantwortungslose Medien und Politiker. 

FD 1.1.2005

Boykott
wird seit dem Gaza-Massaker weltweit diskutiert und von vielen praktiziert.
Das KAIROS-Palästina-Papier palästinensischer Kirchenleute ruft ausdrücklich dazu auf, durch Boykott --analog zu den Maßnahmen gegen das Apartheidsregime in Südafrika-- Druck auf Israel auszuüben.

Eine Vielzahl von Boykott-Aktionen in Deutschland wird auf der Web-Site http://bdsgermany.wordpress.com/ beschrieben.

Beispiele (Stand 13.2.2012)

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Dass schon das öffentliche Nachdenken über die Möglichkeit, Israel durch persönliches Kaufverhalten zu einer Änderung seiner Politik zu veranlassen, führt zu extrem heftigen Reaktionen, wie der Fall Dierkes zeigt.

Boykott von Unternehmen, die von der Besatzung profitieren: Die Coalition of Woman for Peace (Israel) erstellt eine Datenbank solchen Unternehmen:
http://www.whoprofits.org/index.php

Boykott funktioniert!
Französisches Unternehmen verliert europäischen Milliardenauftrag wegen eines Auftrages in den besetzten Gebieten (Nachricht vom 20.1.09) mehr>>>

In UK gibt es eine Übersichts-Site
Boycott Israel to end the Military Occupation
of the West Bank and Gaza 

sowie die sehr gut, systematisch aufgebaute Site http://www.bigcampaign.org/ von
Boycott Israeli Goods Campaign
Box BM PSA
London
WC1N 3XX
UK

Wir haben hieraus eine Reihe von Links übernommen >>>

Insbesondere die Site http://www.inminds.com/boycott-israel.php gibt Hinweise zum Boykott sowohl israelischer Unternehmen als auch von international operierenden Unternehmen, die mit Israel kooperieren.

Einen Boykott-Aufruf finden Sie unter
http://www.stopthewall.org/german/cgi-bin/german/factsheet/article_55.shtml
Insgesamt ist die (englischsprachige) Stop-the-wall-Site sehr wichtig, zum Thema Boykott insbesondere http://stopthewall.org/news/boycot.shtml

Eine Web-Site aus der Schweiz zu Fragen des Boykott, in der viele Anregungen zu finden sind: http://www.bds-info.ch/

Eine häufig aktualisiere Liste von Waren aus Siedlungen in den besetzten Gebieten:
http://gush-shalom.org.toibillboard.info/boycott_eng.htm

Eine Site mit umfassenden Infos zu BDS (Boykott Divestment Sanktionen):
http://bdsmovement.net/?q=node/53

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Nachstehend eine Kopie des Artikels von Martin Forberg aus jungeWelt vom 26.2.2009. Wir haben an einige Stellen Links eingefügt, die wir aus dem Manuskript des Autors übernommen haben.

jungeWelt 26.02.2009 / Schwerpunkt / Seite 3

Sanktionen für Frieden

Internationale Kampagne ruft zum Boykott, zum Investitionsstopp und zu Sanktionen gegen Israel auf.
Aktion soll helfen, ein Ende der Besatzung zu erreichen

Von Martin Forberg

Als Folge des Krieges gegen die Palästinenser im Gaza­streifen hat die Diskussion wieder an Aktualität gewonnen, ob Sanktionen helfen können, ein Ende der israelischen Besatzung zu erreichen. Auf dem Weltsozialforum 2009 im brasilianischen Belem wurde der 30. März zu einem »weltweiten Aktionstag in Solidarität mit dem palästinensischen Volk« erklärt. http://www.bdsmovement.net/?q=node/303 An diesem Tag soll für Boykottmaßnahmen und den Entzug von Investitionen gegenüber israelischen und internationalen Unternehmen geworben werden, die »die israelische Apartheid und Besatzung aufrechterhalten«. Die Notwendigkeit der strafrechtlichen Verfolgung mutmaßlicher israelischer Kriegsverbrechen wird ebenso zum Thema gemacht wie die Aufhebung von Freihandelsabkommen mit Israel und ein Waffenembargo.

Mitte Februar forderten etwa 50 französische Wissenschaftler ein Ende der Blockade des Gazastreifens http://www.bdsmovement.net/ ?q=node/307 . Sie bekundeten, jegliche Zusammenarbeit mit israelischen Institutionen, die sich »an der Besatzung beteiligen«, einstellen zu wollen. Gleichzeitig erklärten sie sich mit denen solidarisch, die sich in Israel »mutig für die menschlichen, sozialen und politischen Rechte der Palästinenser« einsetzen. Schon Anfang Januar hatten über 500 israelische Künstler und Intellektuelle für Sanktionen plädiert, solange ihr Land das humanitäre Völkerrecht nicht respektiere www.freegaza.org/de/home/658-a-call-from-within-signed -by-israeli-citizens. Für Aufsehen sorgte die globalisierungskritische kanadische Autorin Naomi Klein. In ihrer Kolumne im britischen Guardian www.guardian.co.uk/commentisfree/2009/jan/10/naomi-klein-boycott-israel unterstützte sie im vergangenen Monat die von »einer breiten Koalition palästinensischer Gruppen« im Jahr 2005 initiierte Kampagne »Boykott, Desinvestition, Sanktionen«, kurz BDS http://bdsmovement.net/?q=node/52.

Klein vergleicht BDS mit dem Boykott des südafrikanischen Apartheidregimes. Seit 2006 habe Israel weltweit seine diplomatischen, kulturellen und Handelsbeziehungen verbreitern und vertiefen können - trotz Libanon-Krieg, Beschleunigung der Siedlungspolitik und der Blockade des Gazastreifens. Deshalb sei jetzt internationaler Druck auf Israel nötig. »BDS« sei allerdings kein Dogma, sondern eine Taktik – und wegen der starken Abhängigkeit des kleinen Landes vom Außenhandel erfolgversprechend.

In Deutschland rief die Kolumne zunächst ein beinahe feindliches Echo hervor: In der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit unterstellte Thomas Assheuer, Klein habe dazu aufgerufen, »israelische Geschäfte zu boykottieren und den Kauf jüdischer Exportartikel (sic!) zu unterlassen«. Der Autor verwendete hier selbst einen Begriff, den es so nur im Bewußtsein eingefleischter Antisemiten geben kann: denn was sollen »jüdische Exportartikel« sein? Tatsächlich hat Klein weder das eine noch das andere gefordert, sondern betont: »Ich boykottiere die israelische Wirtschaft, nicht aber Israelis.«

Martin Altmeyer wiederum machte in der taz bei Naomi Klein »Antisemitismus von links« aus. Auch er umschiffte die konkrete Auseinandersetzung mit der Guardian-Kolumne und improvisierte statt dessen frei über ihr jüngstes Buch »Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus«. Die Autorin bediene dort die »ganze Palette antisemitischer Klischees« und projiziere sie auf den Staat Israel. Daß selbst die Zitate, die Autor Altmeyer ausgewählt hat, diese infamen Behauptungen nirgendwo stützen, schien nicht weiter zu stören.

Die beiden Beiträge blieben nicht unwidersprochen: Es sei »ein intellektuelles und moralisches Armutszeugnis«, eine »kanadische Jüdin mit dem deutschen Nationalsozialismus (und dies auch noch in einer deutschen Zeitung) zu assoziieren«, hieß es in einem Zeit-Leserbrief (29.1.2009). In der taz erinnerte Daniel Bax daran, daß Klein selbst »oft genug davor gewarnt hat, Antisemitismus zu bagatellisieren«. Antijüdische Parolen auf Demonstrationen gegen den Gaza-Krieg würden mit Recht skandalisiert. Eine »Boykottkampagne gegen Israel zu fordern«, sei jedoch so legitim, wie ein Boykott gegen andere Staaten auch, meint Bax. Dabei bleibt er selbst gegenüber einer Boykottforderung skeptisch.

Festzuhalten bleibt, daß es in Deutschland vor dem Hintergrund der Nazibarbarei nötig ist, den Begriff »Boykott« durch »Sanktionen« zu ersetzen. Parallel hierzu sollte die Israel/Palästina-Solidaritätsbewegung mehr als bisher gegen alle Formen von Rassismus arbeiten und den Dialog zwischen Juden und Muslimen, zwischen hier lebenden Menschen palästinensischer und israelischer Herkunft fördern.

Wer ein Zwei-Staaten-Konzept will, das diesen Namen verdient, kommt indes um Druck auf Israel nicht herum, weil anders die Besatzung als strukturelles Haupthindernis für einen Frieden nicht überwunden werden kann.

Die BDS-Kampagne jedenfalls kann in den letzten Wochen einige spektakuläre Erfolge verbuchen: Um hier nur einen zu nennen: Der Konzern Veolia verlor im Januar einen Auftrag in Schweden im Wert von 3,5 Milliarden Euro: Bislang betreibt das französische Unternehmen die U-Bahn im Bezirk Stockholm, sie erhielt aber den Folgeauftrag für die nächsten acht Jahre nicht. Eine Entscheidung aus rein wirtschaftlichen Gründen, wie die zuständige Behörde betonte. Die schwedische Hilfsorganisation Diakonia vermutet indes, daß Medienberichte über die Veolia-Beteiligung am CityPass-Stadtbahn-Projekt in Jerusalem ausschlaggebend waren. Durch CityPass werden die israelischen Siedlungen Pisgat Zeev und French Hill im 1967 besetzten Ost-Jerusalem zusätzlich an West-Jerusalem angebunden.

Die israelische Frauenorganisation »Coalition of Women for Peace« hat mittlerweile im Internet eine Liste israelischer und internationaler Unternehmen veröffentlicht, die von Besatzung und Siedlungspolitik profitieren (www.whoprofits.org). Die Forderung nach Sanktionen schließt durchaus nicht aus, palästinensische und israelische Unternehmen bewußt zu unterstützen, die sich für einen gleichberechtigten Frieden einsetzen.

 

In den letzten Absätzen wurde der Text von Martin Forberg offenbar stark gekürzt. Deshalb fügen wir hier noch die letzten Absätze auf Forbergs Manuskript bei -- da Teile davon auch in den Artikel der jungeWelt übernommen wurden, gibt es leider einige Doppelungen...

Eine Geschichte aus dem heutigen Südafrika mag das veranschaulichen: Anfang Februar weigerten sich Mitglieder der Transportarbeitergewerkschaft (SATAWU) in Durban erfolgreich, ein Schiff mit israelischen Waren zu entladen. Dieselben Gewerkschafter hatten im letzten Jahr verhindert, dass ein chinesisches Schiff mit Waffen und Munition für die Armee des Mugabe-Regimes in Zimbabwe gelöscht werden konnte.
http://www.palestinechronicle.com/view_article_details .php?id=14793  

In Deutschland rief Naomi Kleins Kolumne zunächst ein beinahe feindliches Echo hervor: In der „Zeit“ unterstellte Thomas Assheuer ihr, sie habe dazu aufgerufen, „israelische Geschäfte zu boykottieren und den Kauf jüdischer Exportartikel (sic!) zu unterlassen“.
www.zeit.de/2009/04/Spitze-4 

Der Autor verwendet hier selbst einen Begriff, den es so nur im Bewusstsein eingefleischter Antisemiten geben kann: denn was sollen „jüdische Exportartikel“ sein?
Tatsächlich hat Naomi Klein weder das eine noch das andere gefordert, sondern betont: „Ich boykottiere die israelische Wirtschaft, nicht aber Israelis.“

Martin Altmeyer machte in einem „Debatten“-Beitrag für die „taz“ bei Naomi Klein „Antisemitismus von links“ aus.
www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/antisemitismus-von-links/ 

Auch er umschiffte die konkrete Auseinandersetzung mit ihrer Kolumne zum Gazakrieg und improvisierte stattdessen frei über Naomi Kleins jüngstes Buch „Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen -Kapitalismus“. Die Autorin bediene dort die „ganze Palette antisemitischer Klischees“, und projiziere sie auf den Staat Israel.  Dass selbst die Zitate, die er ausgewählt hat, diese infamen Behauptungen nirgendwo stützen, schien nicht weiter zu stören. Dass es in der „Schock-Strategie“ nur auf 28 von 658 Textseiten überhaupt um Israel geht, offenbar auch nicht.
Die beiden Beiträge blieben nicht unwidersprochen: Es sei „ein intellektuelles und moralisches Armutszeugnis“ eine „kanadische Jüdin mit dem deutschen Nationalsozialismus (und dies auch noch in einer deutschen Zeitung) zu assoziieren“, hieß es in einem Leserbrief. („Die Zeit“, 29.01. 2009). In der „taz“ erinnerte Daniel Bax daran, dass Klein selbst „oft genug davor gewarnt hat, Antisemitismus zu bagatellisieren“. “. Antijüdische Parolen auf Demonstrationen gegen den Gaza-Krieg würden mit Recht skandalisiert.
http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/die-dritte-kraft/ 

Eine „Boykottkampagne gegen Israel zu fordern“ sei jedoch so legitim, wie ein Boykott gegen andere Staaten auch. Allerdings machte sich Bax diese Forderung nicht zu eigen. Vielmehr gab er zu bedenken, dass Israel nicht mit Südafrika gleichzusetzen sei. 

Die BDS-Kampagne kann jedenfalls in den letzten Wochen einige spektakuläre Erfolge verbuchen: die Church of England gab Anfang Februar bekannt, dass sie 2008 über 2,2 Mio. Pfund an Beteiligungen an der US-Firma Caterpillar abgestoßen habe. Bulldozer und Baugeräte von Caterpillar werden von der israelischen Regierung für die Zerstörung palästinensischer Häuser eingesetzt.
http://www.kibush.co.il/show_file.asp?num=31893 

Das französische Unternehmen Veolia verlor im Januar 2009 einen Auftrag in Schweden im Wert von 3,5 Milliarden Euro: bislang betrieb Veolia die U-Bahn im Bezirk Stockholm, erhielt aber den Folgeauftrag für die nächsten 8 Jahre nicht. Eine Entscheidung aus rein wirtschaftlichen Gründen, wie die zuständige Behörde betonte. Die schwedische Hilfsorganisation Diakonia vermutet aber, dass Medienberichte über Veolia’s Beteiligung an dem umstrittenen CityPass-Stadtbahn-Projekt in Jerusalem ausschlaggebend waren. (So werden durch CityPass die israelischen Siedlungen Pisgat Ze’ev und French Hill im 1967 besetzten Ost-Jerusalem zusätzlich an West-Jerusalem angebunden).
http://www.diakonia.se/sa/node.asp?node=2807

Sollte BDS auch in Deutschland Anwendung finden, dann müsste sicherlich vor dem Hintergrund der Nazibarbarei der Begriff „Boykott“ durch „Sanktionen“ ersetzt werden. Auch sollte die Israel/Palästina-Solidaritätsbewegung mehr noch als bisher gegen alle Formen von Rassismus arbeiten und – parallel zur Forderung nach Sanktionen - den Dialog zwischen Juden und Muslimen, zwischen hier lebenden Menschen palästinensischer und israelischer Herkunft fördern.
Sanktionen gegen Israel sind nicht anti-israelisch – sie streuen vielmehr Sand ins Getriebe der Besatzung. Wer für ein Zwei-Staatenkonzept eintritt, das diesen Namen verdient, kommt um Sanktionen nicht herum, weil anders die israelische Besatzung als strukturelles Haupthindernis für einen Frieden nicht überwunden werden kann.
Mit der Forderung nach Sanktionen ist zugleich ein Plädoyer für Gewaltfreiheit verbunden. Sie ist somit zugleich eine praktische Kritik jeder Gewalt.
In ihrem Buch „Schocktherapie“ sieht Naomi Klein Israel als warnendes Beispiel dafür , wie gefährlich es sei „sich eine Wirtschaft zuzulegen, deren Voraussetzungen ein kontinuierlicher Kriegszustand und immer schlimmere Katastrophen sind.“ Das Land erfreue sich „selbst dann eines wachsenden Wohlstands“, „wenn es gegen seine Nachbarn Krieg führt und in den besetzten Gebieten mit zunehmender Brutalität agiert.“

Daraus lässt sich folgern, dass Sanktionen einer Kriegsökonomie Schaden zufügen, damit sich Frieden in Zukunft wieder auszahlt. Sie schwächen zugleich die an Krieg und Besatzung interessierte Allianz aus radikalen Siedlern, rechten Kräften in Politik, Militär, Geheimdiensten und aus gewichtigen Wirtschaftssektoren, wie der Rüstungs- und „Sicherheits“industrie.

Hier ein Link auf die Web-Site von Nomi Klein